Leibniz-Gymnasium Essen

WAZ 27.09.2016

Welche Unterstützung gute Schüler im Essener Norden brauchen

Text: Martin Spletter

Foto: Knut Vahlensieck/FUNKE Foto Services

Das landesweite „Talentscouting“-Programm nahm in Altenessen seinen Anfang. Es ist eine Art Begabtenförderung, die Jugendlichen neue Wege eröffnet.

Welche Unterstützung gute Schüler im Essener Norden brauchen

Sie wollen Medizin studieren oder Astrophysik, sie wollen Pilot werden oder Psychotherapeut – im Essener Norden haben begabte Jugendliche auf dem Weg zum Abitur eigentlich die gleichen Berufsziele wie Schüler im Essener Süden. Doch viele Jugendliche, die aufs Leibniz-Gymnasium in Altenessen gehen oder aufs „Nord-Ost“ im Nordviertel, heißen zum Beispiel Murat oder Merve, und manche von ihnen haben sechs oder sieben Geschwister, und egal, ob es einen so genannten „Migrationshintergrund“ gibt oder nicht: Meistens sind sie die ersten in der Familie, die studieren wollen.

Sie sind die ersten, die studieren

Aber was studieren, und mit welchen Mitteln? Vor vier Jahren nahm ein Talentförderprogramm am Leibniz-Gymnasium seinen Anfang, einer der entscheidenden Initiatoren war Marcus Kottmann, der an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen arbeitet. Kottmann selbst ist Altschüler, kommt vom Leibniz, und heute ist Kottmann Chef von rund 35 „Talent-Scouts“. Das sind Erwachsene, die landesweit an Schulen wie das Leibniz oder das Nord-Ost gehen, um gezielt begabten Schülern Orientierung vor dem Uni-Start zu geben. „Demnächst“, kündigt Kottmann an, „werden es über 50 Talent-Scouts sein.“

Mittlerweile machen sieben Unis mit, das „Talentscouting-Projekt“ wird offiziell vom Land NRW gefördert, 75 Schulen sind schon dabei, ein eigenes „NRW-Talentzentrum“ wurde eingerichtet. „Begabung und der berufliche Lebensweg haben mit einer passenden Gelegenheit mehr zu tun als mit den Genen“, sagt NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Sie hat jetzt die beiden beteiligten Essener Gymnasien, Leibniz, und Nord-Ost, besucht. Und gefragt: „Wie ist das so, wenn man vom Lehrer angesprochen wird, weil man Talent hat?“

Pädagogen machen Vorschläge für Teilnehmer des Talentscout-Projekts – dann kommen Leute wie zum Beispiel Stefanie Strozyk, ein Talent-Scout, und begleiten die Schüler die gesamte Oberstufe lang. Schülerin Vanessa zum Beispiel hatte die Idee, Medizin zu studieren: „Frau Strozyk hat mir dann die Möglichkeit eröffnet, mich einen Tag lang am Uni-Klinikum umzuschauen.“

Uni Duisburg-Essen kooperiert mit dem GeNo

Alle Talent-Scouts kommen aus dem wahren Berufsleben, kennen Leute, haben Kontakte, und somit „einen viel größeren Überblick, als wir das haben könnten“, räumt Lehrer Mark Walbrun ein, der am Leibniz-Gymnasium als Studien- und Berufswahlkoordinator arbeitet. In regelmäßigen Abständen kommen Schüler in die Sprechstunden der Scouts, lassen sich neue Ideen geben – und aufklären über das, was die meisten gar nicht wissen: „Es gibt viele Fördermöglichkeiten, zum Beispiel Schülerstipendien“, berichten die Jugendlichen. Davon hatten wir vorher noch nie gehört.“

Ach so: Wie das ist, wenn man für ein solches Begabtenprogramm herausgepickt wird, wollte die Ministerin wissen. „Dass meine Noten ganz gut sind, wusste ich ja“, erzählt Murat, der Pilot werden will. „Aber dass ich ein Talent bin, das hat mir vorher keiner gesagt.“

Neben dem Leibniz-Gymnasium erhielt auch das Nordost-Gymnasium (GeNo) das „Talentscouting“-Siegel. Die Schule kooperiert seit Jahren mit der Uni Duisburg-Essen (UDE).

Auch die UDE schickt „Talent-Scouts“ in Schulen. „Chancen zu ermöglichen, ist unser Auftrag, den wir ernst nehmen“, so Prorektorin Isabell van Ackeren.

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