Über viele Jahre hinweg gehörte das Leibniz-Gymnasium zu den erfolgreichsten Schulen bei den Essener Schulschachwettbewerben. Im Jahr 2016 qualifizierte sich das Team mit dem zweiten Platz beim Landesfinale NRW sogar für die Deutsche Schulschachmeisterschaft. In den darauffolgenden Jahren, spätestens seit der Corona-Pandemie, war das Schulschach am Leibniz jedoch kaum noch präsent. Aktuell besteht an unserer Schule keine Schach-AG.
Die Schulschach-Stadtmeisterschaft 2025/26 machte deutlich, dass am Leibniz weiterhin Interesse am und Spielstärke im Schach vorhanden sind. Nach sieben Jahren Pause stellte unsere Schule wieder eine Mannschaft in der Wettkampfklasse III (für Schüler geboren nach 2011). Wir traten an mit Jaroslaw Fedotushkin(9d), Mahya Sohrabi (ISK 2), Zohan Khan (5b), Ben Ehling (9d) und Naveenayan Ruban (9d). Betreut wurden wir von Michael Wolff, dem letzten Leiter der Schach-AG. Im Verlauf des Turniers konnten wir uns bis ins Finale durchsetzen und uns dort am Ende in einem Herzschlagfinale den Stadtmeistertitel sichern.
Die vier Spieler, die für eine Mannschaft benötigt werden, hatte ich im Vorfeld schnell gefunden: Ben und Jaroslaw sind in meiner Klasse, Zohan spielt seit einigen Monaten wie ich bei den Schachfreunden Katernberg. Kurz vor dem Turnier traf ich Mahya in der Bibliotheks-AG als diese sich gerade danach erkundigte, ob es bei uns eine Schach-AG gibt. Ein glücklicher Zufall , so konnten wir sogar mit einem Ersatzspieler antreten.
Aus den 7 Schulen, die in diesem Jahr in der WK III teilnahmen, wurden zwei Vorrundengruppen gebildet, in denen sich dann die ersten zwei Mannschaften für die Finalrunde qualifizierten. Wir wurden in eine Dreiergruppe mit dem Helmholtz-Gymnasium und dem Don Bosco-Gymnasium gelost.
In der 1. Runde starteten wir mit einem 3:1-Sieg gegen das Helmholtz-Gymnasium in das Turnier. Jaroslaw und ich gewannen schnell, kurze Zeit später gewann auch Mahya ihre Partie. Nur Ben verdarb seine bis dahin gut gespielte Partie mit einem Dameneinsteller.
In der zweiten Runde waren wir spielfrei. Die Pause nutzten wir, um andere Begegnungen zu verfolgen und uns auf das letzte Vorrundenspiel einzustellen.
In der dritten Runde trafen wir auf die Mannschaft von Don Bosco. Die Partien entwickelten sich früh zu unseren Gunsten, Schritt für Schritt erspielten wir uns Vorteile. Am Ende stand ein souveräner 4:0-Erfolg, der den positiven Verlauf der Vorrunde bestätigte und uns den ersten Platz in der Gruppe sicherte.
Somit trafen wir im Halbfinale auf den Zweitplatzierten der anderen Gruppe, das Grashof Gymnasium. Wir führten schnell mit 2:1. Auch in meiner Partie vergrößerte sich mein Vorteil immer mehr und schließlich konnte ich meinen Gegner matt setzen, was den Finaleinzug besiegelte.
Im Finale spielten wir gegen das Maria-Wächtler-Gymnasium, das bis dahin alle Kämpfe mit 4:0 gewonnen hatte. Das Finale begann für uns mit einem regelrechten Albtraumstart. Durch eine Fehleinschätzung von Zohan an Brett 4 und eine Niederlage in Zeitnot bei eigentlich überlegener Stellung von Mahya gerieten wir früh mit 0:2 in Rückstand. Damit mussten Jaroslaw ich unbedingt gewinnen. Danach sah es erst nicht aus: Jaroslaw geriet in eine kritische Stellung, profitierte jedoch davon, dass sein Gegner in Zeitnot Fehler machte und die Segel streichen musste. Die Zeit spielte auch in der letzten Partie des Turniers eine entscheidende Rolle. Nachdem ich in Zeitnot meinen großen Vorteil komplett weggegeben hatte, entstand ein remises Turmendspiel, in dem mein Gegner die deutlich bessere Zeit hatte: Ich hatte noch 7 Sekunden auf der Uhr, er dagegen 25. Wir zogen wild die Figuren und drückten die Uhren. Anscheinend habe ich dabei etwas schneller gezogen, denn er hatte auf einmal nur noch 6 Sekunden, ich 3 Sekunden. Und dann geschah es. Mein Gegner überschritt als erster die Zeit, ich hatte noch genau 1 Sekunde auf der Uhr. Somit war das Unmögliche geschehen: Es stand 2:2, und da bei Gleichstand die Siege an den oberen Brettern stärker gewichtet werden, hatten wir auch dieses letzte Match für uns entschieden.
Jaroslaw (Brett 2) und ich (Brett 1) konnten mit 4 Punkten aus 4 Partien alle gewinnen. Mahya (Brett 3) holte 2 aus 4. Ben und Zohan, die sich das 4. Brett teilten, holten jeweils einen Punkt aus 2 Partien.
Nach sieben Jahren Pause hat unsere Mannschaft eindrucksvoll gezeigt, dass Schach an unserer Schule immer noch lebt. Wir sind nun Stadtmeister und dürfen Ende März bei den NRW-Meisterschaften in Hamm mitspielen.
Ein besonderer Dank gilt unseren Betreuern Michael Wolff und Bernd Rosen, beide Schachfreunde Katernberg. Bernd Rosen trainierte jene Mannschaft, die 2016 an der Deutschen Meisterschaft teilnahm. Jetzt ist er im Verein mein Trainer. Den Turniertag begleitete er mit der Kamera und stellte uns freundlicherweise die Bilder zur Verfügung.