Besuch der AG Wir lesen vor und der Jungen Jury bei Horst Dieter Gölzenleuchter
Text: Sophia Schmidt (Headline), Inge Seemann
Fotos: Jennifer Wehling, Inge Seemann
Wenn einer den Spitznamen „Oskar“ trägt, Künstler ist und seine Werkstatt auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche hat, dann ahnt man schon: Das wird kein gewöhnlicher Nachmittag. Und genau so war es auch, als neun Leseratten den Künstler Horst Dieter Gölzenleuchter und seine Frau und Managerin Renate in ihrer Kunstwerkstatt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Lothringen in Bochum besuchten. Die erste Inspiration erhielt Oskar jedoch in seinem Heimatdorf im Sauerland an der Volme, dieser Fluss spielt auch eine Rolle in seinem neuen Kinderbuch, für das er bereits einige Illustrationen präsentieren konnte. Einige waren doppelt, sie unterschieden sich allerdings in einigen Details und auch Farben. Als Oskar seine Besucherinnen und Besucher fragte, welche sie lieber in dem Buch sehen wollen, kamen sie schnell ins Gespräch und das Eis war gebrochen. „Nennt mich Oskar, das macht hier jeder!“
Kennengelernt hatten wir „Oskar“ übrigens über den Schriftsteller Klaus-Peter Wolf. Denn Gölzenleuchter war es, der damals das allererste Buch von Klaus-Peter Wolf herausgab: Mein Freund Pinto. Eine literarische Verbindung, die bis heute Spuren hinterlassen hat. Vor gut einem Jahr traf Gölzenleuchter Klaus-Peter Wolf anlässlich der Verabschiedung von Inge Seemann in der Alten Kirche wieder – und sofort waren die alten Geschichten und Erinnerungen wieder da. Wer sich auf Spurensuche begeben möchte, dem sei folgende Seite ans literarische Herz gelegt, sogar mit einem kurzen Clip: http://www.boesner.com/kunstportal/kunst-und-kuenstler/hintergrund/h-d-goelzenleuchter/ Hier wird auch das soziale Engagement deutlich, das den Künstler antreibt und das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht – nein, eher wie eine Zündschnur.
Das große Können und die tiefe Menschlichkeit hatte Klaus-Peter Wolf in einer seiner Kolumnen beschrieben: sogar mit Möwenfedern, die Oskar am Nordseestrand bei einem Besuch gefunden hatte, gelangen ihm wunderbare Kunstwerke! Klaus-Peter Wolf war beeindruckt – und wir auch. Denn wir lasen diese Geschichte oft im Altenheim St. Monika vor, jedes Mal waren auch die Seniorinnen und Senioren ganz gerührt und wollten sie gern wieder hören.
Doch an diesem Tag gehörte die Bühne den Kindern und Jugendlichen. Herzlich wurden sie von Horst Dieter Gölzenleuchter und Renate empfangen. Zwischen Druckpressen, Holzplatten, Farben und Kunstwerken gab es für die jungen Besucherinnen und Besucher viel zu entdecken. Oskar stellte geduldig viele seiner Werke vor, erzählte kleine Geschichten dazu und ließ die Kinder staunen, wie aus Holz, Farbe und Ideen echte Kunst entstehen kann.
Natürlich blieb es nicht beim Zuschauen. Unter fachkundiger Anleitung entstand ein gemeinsamer Holzschnitt. Dafür hatte Oskar extra schnitzfreudiges Gabun-Holz vorbereitet – „nicht zu fest und nicht zu weich, genau richtig zum Bearbeiten“, erklärte er mit einem Augenzwinkern. Schnell wurde geschnitzt, ausprobiert, gelacht und konzentriert gearbeitet. Die Begeisterung war überall zu spüren.
Und weil große Kunst bekanntlich auch kleine Stärkungen braucht, sorgte eine Runde Plätzchen für zusätzliche Glücksmomente. Zwischen Krümeln, Farbspuren und fröhlichen Gesprächen verging die Zeit wie im Flug. Doch Renate hatte die Uhr immer im Blick und wusste, wann es Zeit für den nächsten Arbeitsschritt war, damit die jungen Künstlerinnen und Künstler ein echtes Kunstwerk mit nach Hause nehmen konnten. In letzter Sekunde legte auch Oskar noch seinen Geißfuß an – und so wurde aus dem Gemeinschaftswerk ein „echter Gölzenleuchter“. Und das wird nicht das einzige Original bleiben, denn den Holzstock verwahrt Noah Leandro gut – ein ganz besonderes Erinnerungsstück an einen Nachmittag voller Kunst, Geschichten und herzlicher Gastfreundschaft.
Oskars Anliegen war es immer schon, dass jeder Mensch sich Kunst leisten konnte – dies ermögliche der Holzschnitt, denn er sei die Basis für viele Originale: „Gespräche mit dem Holz“ heißt eines seiner Bücher, denn Holz ist etwas ganz Besonderes für Oskar. Es brauche nur jemanden, der es den Kindern zugänglich macht. Und diese Person war schnell gefunden: Kunstlehrerin Sabrina Kühl erklärte sich sofort bereit, weitere Originale zu erstellen. Ganz herzlichen Dank dafür!
Am Ende fiel der Abschied schwer, denn die künstlerischen Anregungen, das von Kunstwerken überbordende Atelier, die unkomplizierten und doch so aufschlussreichen Gespräche und nicht zuletzt die herzliche Aufnahme durch Renate und Oskar ließen die Zeit wie im Flug vergehen. So wurde aus einem Besuch bei „Oskar“ weit mehr als nur ein Workshop: nämlich ein kleines Abenteuer zwischen Literatur, Kunst und Zechengeschichte.