„Gegen das Vergessen“ – Der Projektkurs Q1 blickt zurück

Ein ganzes Schuljahr lang hat sich der Projektkurs „Gegen das Vergessen“ der Q1 unter Leitung von Herrn Bukowski und Frau Weber intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt – und ist dabei einen Weg gegangen, der weit über den normalen Unterricht hinausführte.

Die Schüler:innen werteten Dokumentationen und Quellen aus, erarbeiteten Referate zu selbst gewählten Leitfragen und stellten diese in einer kleinen Vortragsreihe vor. Anderthalb Tage lang bereitete sich der Kurs im Schullandheim Rade gezielt auf den Höhepunkt des Jahres vor: eine einwöchige Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim in Polen, wo sich das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befindet.

Wie prägend diese Fahrt war, zeigen die Rückmeldungen der Teilnehmenden. Yasmina Amara schreibt: „Besonders die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz hat mich emotional tief bewegt und nachhaltig geprägt. […] Rückblickend war der Projektkurs eine der lehrreichsten und prägendsten Erfahrungen meiner Schulzeit.“ Auch Greta Hanenberg betont: „Ich habe verstanden, welche Rolle Propaganda, Ausgrenzung und Gleichgültigkeit gespielt haben und warum es unsere Verantwortung ist, die Erinnerung wachzuhalten.“

Aus der Erinnerung werden Projekte

Nach der Rückkehr entwickelten die Schüler:innen in Gruppen eigenständig Projekte, um ihre Eindrücke zu verarbeiten und mit der Schulgemeinschaft zu teilen. Entstanden sind unter anderem ein geschichtetes Modell einer Baracke aus Auschwitz („Räume der Erinnerungen“), die audiovisuelle Rauminstallation „Spuren der Erinnerung – Stimmen aus Auschwitz“, das rund 25-minütige Videodokument „Wir in Auschwitz“, die Ausstellung „Alltag in Auschwitz“ sowie die „Stolperstühle“ auf dem Schulhof, die an das Schicksal verfolgter Essener Bürger:innen erinnern. Hinzu kommen kindgerechte Infotafeln und Erklärvideos für die Erprobungsstufe, ein Podcast zur Gedenkstättenfahrt und persönliche künstlerische Arbeiten.

Greta Hanenberg berichtet von der Arbeit am Barackenmodell: „Dabei haben wir uns intensiv mit den historischen Gegebenheiten beschäftigt, Materialien geplant, Texte recherchiert und QR-Codes erstellt, um unser Wissen für andere zugänglich zu machen.“ Esma-Merwa Ramzi, die ebenfalls daran mitwirkte, ergänzt: „Für uns war es wichtig, die Erlebnisse aus Auschwitz und unsere Erkenntnisse mit den Schülern und Lehrern zu teilen, die an der Geschichte interessiert sind, aber nicht die Möglichkeit haben, sie vor Ort zu erlernen.“ Und Sudem Cibir, die sich mit dem Alltag in Konzentrationslagern beschäftigte, fasst zusammen: „Es ist wichtig, sich zu erinnern, Verantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.“

Ein Beitrag zur Erinnerungskultur am Leibniz-Gymnasium

Alle Ergebnisse wurden im Sinne der Erinnerungskultur am Leibniz zwischen Ende Juni und Anfang Juli 2026 an der Schule präsentiert – von der dauerhaften Ausstellung im Erdgeschossflur mit dem Barackenmodell bis zu den „Stolperstühlen“ auf dem Schulhof am 6. Juli. Lerngruppen waren eingeladen, sich die Projekte anzusehen und mit den Themen auseinanderzusetzen. Dabei kamen die meist jüngeren Schüler:innen mit den angehenden Abiturientinnen ins Gespräch, die damit als Zweitzeug:innen sichtbar wurden. Ihre einhellige Botschaft fasst Yasmina Amara zusammen: „Schaut nicht weg, wenn Menschen ausgegrenzt oder verletzt werden. Zeigt Empathie, begegnet anderen mit Respekt und habt den Mut, Haltung zu zeigen. Jeder einzelne Mensch kann einen Unterschied machen.“